Sie sind hier: Startseite > Region > Brauchtum

Scheibensprengen in Oeschgen

Vorbereitetes Feuerrad in Oeschgen



Das Spektakel

Leuchtende Funken sausen talwärts
In Oeschgen sausen an der alten Fastnacht - am Sonntag nach dem Aschermittwoch - "handgemachte Sternschnuppen" durch die Dunkelheit. Eine Dorfclique sorgt dafür, dass die handtellergrossen Holzscheiben auf dem Boll bereits sind. Von dort aus schlagen junge und ältere Oeschger die "Schiibe", welche an einem Feuer angesengt worden sind, mit einer langen Haselgerte über ein schräges Brett in die Nacht hinaus. Als hell leuchtende Funken sausen die Scheibchen talwärts und hinterlassen einen Feuerschweif. Seit 1977 haben die Oeschger am gleichen Abend aber noch eine weitere Attraktion zu bieten: Ein etwa vier Meter hohes Speichenrad wird mit Stroh umwickelt und dann mit Stoff überzogen. Sobald es brennt, wird es mit einer langen Eisenstange gedreht. Damit haben die Oeschger als einzige weit und breit das einst von Jugoslawien bis ans Nordmeer verbreitete germanische Sonnenwendsymbol wieder aufleben lassen. Im geheizten Zelt kann man sich anschliessend bei einem Teller Suppe vom nächtlichen Feuerzauber erholen.

 

Brennendes Feuerrrad

Die Geschichte
Vermutlich heidnischer Ursprung
Das Scheibenschlagen war schon für die alten Oeschger ein sehr wichtiges Datum im Dorfkalender; und es war bereits zu ihrer Zeit "uralt". 1725 verlieh Franz Otto Freiherr von Schönau, "Herr zu Stein, Oeschgen, Wägenstetten, Oberseggingen, Rippolingen und Mitpfandinhaber der Herrschaft Rhonsperg", dem Schwanenwirt Fridolin Hauswirth in Oeschgen das Tavernenrecht. In der am 26. Januar gesiegelten Urkunde heisst es: "...ferner würd ihme verlaubet, Täntz und Scheibenschiessen zu halten." Früher glaubte man, das Feuer habe die Kraft, Leben zu wecken. Mit den weggeworfenen Holzscheiben wollte man vermutlich den Feuersegen möglichst weit über die scheinbar toten Felder streuen, um die Saat zum Wachsen zu bringen. Chroniken berichten jedoch immer wieder von Feuersbrünsten, die durch solche handgemachten Sternschnuppen ausgelöst wurden. Viele Dächer waren damals mit Stroh bedeckt. Heute wird vermutet, dass der uralte Brauch heidnischen Ursprungs ist. Neben Oeschgen wird er zurzeit nur noch im aargauischen Stilli, im Baselbieter Dorf Biel-Benken, im Sernftaler Matt und auch teilweise im Schwarzwald gepflegt.

 

Region

Gemeinden Karte Geschichte Brauchtum Galerie

Suchen nach

Allgemein