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Vom Kanton Fricktal zum Kanton Aargau

Diesen unhaltbaren Zuständen versuchte der aus Waldshut stammende und in Münchwilen eingebürgerte Arzt Sebastian Fahrländer ein Ende zu setzen. Er unterhielt durch die Vermittlung seines Bruders Karl enge Kontakte zur helvetischen Regierung und den führenden Kräften der französischen Besatzungsmacht. Zielstrebig begann Fahrländer als "provisorischer Statthalter des Fricktals" mit dem Aufbau neuer Strukturen.

Nach Auflösung der österreichischen Verwaltung berief er auf den 20. Februar 1802 eine Versammlung von Gemeindevertretern nach Rheinfelden ein, die in Anwesenheit eines französischen Bevollmächtigten einen von Fahrländer vorgelegten Verfassungsentwurf beriet und zur Wahl der neuen Kantons- und Distriktsbehörden schritt. Die Verwaltungskammer in Laufenburg und das Kantonsgericht in Rheinfelden nahmen ihre Tätigkeit in der Rechtsnachfolge der österreichischen Institutionen unverzüglich auf. In die drei Gerichtsbezirke Rheinfelden, Frick und Laufenburg aufgeteilt, behielt das Fricktal jedoch weiterhin den Status eines französischen Protektorats. Einer formellen Eingliederung in die Helvetische Republik standen die schwierigen politischen Umstände in der zweiten Hälfte des Jahres 1802 entgegen.

Die Vorwürfe der eigenmächtigen Amtsführung und der persönlichen Bereicherung auf Kosten des Kantons boten den Gegnern Fahrländers den gewünschten Anlass zum Sturz des Statthalters von französischen Gnaden. Das Lindenblatt, heraldisches Symbol für die Idee eines politischen Neubeginns zwischen Jura und Rhein, wurde schon kurz danach durch die harte Realität europäischer Grossmachtspolitik hinweggefegt. Am 19. Februar 1803 verfügte Napoleon Bonaparte den Anschluss des Fricktals an den neugegründeten Kanton Aargau. Aus dem Randgebiet des ausgedehnten Habsburgerreiches wurde nun endgültig eine schweizerische Grenzregion.

Der Rhein, wichtigster Verkehrsweg und verbindendes Element zwischen Jura und Schwarzwald, bildete nun die Trennlinie zwischen zwei unabhängigen Staatsterritorien. Trotz ihrer unterschiedlichen Nationalität blieb der Strom für die Anwohner am dies- und jenseitigen Ufer ein Angelpunkt lebendiger, wirtschaftlicher und kultureller Wechselbeziehungen.



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