Startseite
Urgeschichte
Römische Zeit
Alemannen
Lokaladel
Erzbergbau
Österreich
Zum Kt. Aargau
19. Jahrhundert
Heimarbeiter
Arbeitsplätze
Nachkriegsjahre
Literaturhinweise

Österreich

Unter österreichischer Herrschaft
Bei der Eroberung des habsburgischen Aargaus sicherte sich Bern 1415 nicht nur die Uebergänge vom Rhein ins Aaretal, sondern auch einige Dörfer jenseits der Jurakette. Der hochaufragende, spätgotische Giebelbau der Untervogtei in Hottwil und die Wirtshausschilder mit dem bernischen Hoheitszeichen in Bözen oder Densbüren belegen die eidgenössische Präsenz im Fricktal, das seit 1386 unter habsburgischer Herrschaft stand. Die Zugehörigkeit der ehemals bernischen Gemeinden am Juranordfuss zu den Aaretalbezirken Brugg, beziehungsweise Aarau und deren Bekenntnis zur evangelisch-reformierten Kirche blieben als Erbe der bernischen Expansionspolitik bis heute bestehen. An manchen Gasthöfen der Bezirke Rheinfelden und Laufenburg erinnert der österreichische Doppeladler noch heute an die kaiserliche Vergangenheit. Innerhalb des europäischen Vielvölkerreiches bildete das Fricktal ab 1386 einen Teil des vorderösterreichischen Verwaltungsgebietes.

Krieg und wirtschaftlicher Niedergang
Im 17. Jh. und 18. Jh.
wurde das Grenzgebiet in die anhaltenden Auseinandersetzungen der europäischen Grossmächte verstrickt. Nach einer Phase wirtschaflticher und kultureller Blüte riss der 30-jährige Krieg das Gebiet zwischen Rhein und Jura in den Abgrund der Zerstörung und des wirtschaftlichen Ruins. Die fricktalische Eisenindustrie wurde beinahe vollständig zerstört und erholte sich von diesem Schlag auch nach den Kriegswirren nicht mehr. Soldatenhorden zogen raubend, mordernd und brandschatzend durch die Dörfer und Städte. Ein Bericht der vorderösterreichischen Verwaltung vermerkt für das Jahr 1634: "Der dritte Teil der Wohnungen in den Dorfschaften ist abgebrannt, die andern Häuser stark beschädigt, sämtliche Kirchen entweder verbrannt oder teilweise abgetragen und alle Glocken und Uhren geraubt. Von der Ernte war keine Rede. Für das Ansäen der Felder ist es zu spät, und dazu hat der Bauersmann weder Ross, noch Pflug und Geschirr."

In einem reichen Sagenschatz leben die Erfahrungen und Eindrücke fort, die der Schwedenkrieg in der Bevölkerung hinterliess. Zur charakteristischen Bausubstanz einzelner Dörfer gehören auch die "Schwedenhäuser". Diese mächtigen Steinbauten sollen nach der mündlichen Ueberlieferung die Verwüstung des 30-jährigen Krieges überdauert haben. Neben Krieg und Hungersnöten suchte im schicksalsreichen 17. Jh. auch der schwarze Tod das Fricktal heim. In Herznach erinnert ein Pestsarg an die zwei Seuchenzüge von 1630 und 1667, denen zahllose Menschen zum Opfer fielen. Während der 180 Jahre vom Beginn des 30-jährigen Krieges bis zur Französischen Revolution erlebte das Fricktal nur 30 Friedensjahre. Trotzdem blühte ein reges künstlerisches Schaffen im lebensvollen Barock auf. Einheimische und ausländische Bildhauer, Maler und Stukkateure schufen eine fürstlich gehobene Sakralkunst süddeutsch-österreichischer Prägung.

Beispiele einer hochstehenden Baukultur
Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Frick erhebt sich wie die Kirchenburgen von Herznach und Wölflinswil in beherrschender Höhenlage. Der Raumeindruck des 1716 neu errichteten Bauwerks gipfelt im kuppelgewölbten Chorraum, wo das Spiel von Licht und Schatten seinen stärksten Ausdruck im aufstrebenden, prunkvollen Hochaltar findet.

Die von einem Mauergürtel umschlossene Herznacher Kirchenanlage erhebt sich auf einer Anhöhe unmittelbar westlich des Dorfes. Einem im Fricktal weit verbreiteten Kirchentypus folgend, stehen Turm, Schiff und Chor in einer Längsachse aufgereiht. Kunstvolle Altarplastiken des Rheinfelder Bildhauers Johann Isaak Freitag prägen den 1718/19 erbauten, von innen nach aussen wachsenden Chorraum der Kirche St. Nikolaus, der unter Fachleuten als "eines der reizvollsten Raumgebilde der barocken Schweiz" gilt.

Schon seit dem Hochmittelalter wird der fränkische Heilige Remigius in Mettau verehrt. Als religiöses Zentrum einer Talpfarrei, die sich von Rhein bis zu den Jurahöhen erstreckte, erlangte das Gotteshaus schon früh eine regionale Bedeutung. Die beschwingte Eleganz der Formen und der gleichschwebende Zusammenklang der Farbtöne machen das 1773/75 errichtete Gotteshaus zur schönsten Rokokokirche des Fricktals. Die fein verzweigten Stukkaturen entheben den Raum seiner irdischen Schwere, umspielen als lichtes Gewebe die in dunklen Farbtönen gehaltenen Fresken und verdichten sich im Chorgewölbe zu besonderer Intensität.

Von heiterer Festlichkeit bestimmt, verlieh auch die Pfarrkirche von Mettau einer gesteigerten Lebensfreude Ausdruck, die in krassem Gegensatz zur Bedrohung durch Krieg und Seuchen stand.

Aufbruch und Neubeginn waren ständige Forderungen im Alltag der krieggeprüften Bevölkerung des Grenzlandes. Eine lange Wallfahrtstradition ist ein äusseres Zeichen der Suche nach gültigen, unzerstörbaren Lebenswerten.
Schon vor 1600 wallfahrteten Tausende von Fricktalern zum Gandenbild der Gottesmutter von Todtmoos im Schwarzwald. Heute ist der Hornusser Pilgerzug der einzige, der jedes Jahr am Montag vor Pfingsten zu Fuss zum vierzig Kilometer entfernten Wallfahrtsort zieht. Getrieben von der nie endenden irdischen Suche nach einem Ausgleich zwischen Geist und Natur zogen sich einzelne Eremiten an den Rand des gesellschaftlichen Lebens zurück. So wurden die Einsiedeleien von Hornussen und Münchwilen noch bis ins späte 18. Jh. bewohnt.

Maria Theresia und Joseph II.
Die Epoche mit der die über 400-jährige österreichische Herrschaft am Hochrhein ausklang, stand im Zeichen der Herrschaft Maria Theresias und ihres Sohnes Josephs II. Vom Machtzentrum an der Donau aus leitete die Kaiserin während ihrer langen Regierungszeit im Erziehungswesen, in der Rechtsprechung und auf kirchlichem Gebiet entscheidende Reformen ein, die Joseph II. weiterführte. Unter seinem Staatsportrait im festlichen Laufenburger Gerichtssaal wird auch heute noch Recht gesprochen. "Es ist ein idealisiertes Herrscherbildnis, das den Kaiser bei seinen Untertanen in steter geistiger Präsenz halten sollte. 1)

Geschlossene Siedlungsstruktur und Markttradition

Laufenburg und Rheinfelden haben bis heute etwas von der Schlichtheit österreichischer Garnisonsstädte bewahrt. Dem freien und individuellen Leben des Bürgers, seiner Entfaltung im Handel und Gewerbe setzte das Diktat der Kriegführung enge Grenzen. Trotzdem behielt jede der beiden Schwesterstädte ihren eigenen Charakter. Während die Stadt am tosenden Laufen nach den Wirren des 30-jährigen Krieges an Bedeutung verlor, wurde Rheinfelden als strategisch wichtiger Eckpfeiler des österreichischen Verteidigungssystems stark ausgebaut.
Auch ausserhalb befestigter Städte entwickelte sich der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten. Schon 1701 verlieh Kaiser Leopold I. der Gemeinde Frick das Marktrecht. Die Zentrumsgemeinde ist heute der einzige Ort in den Bezirken Rheinfelden und Laufenburg, in dem noch regelmässige Waren- und Viehmärkte abgehalten werden.
Im Fricktal, wie auch im benachbarten Baselbiet, verleiht das gemauerte Dreisässenhaus den Dörfern einen unverkennbaren Charakter. Weit stärker als die städtischen, von internationalen Zeitstilen geprägten Bürgerbauten entstanden diese Bauernhäuser im 17. Jh. aus einer klar umgrenzten Zweckbestimmung heraus.
Eine kontinuierliche Bauentwickling und geringe soziale Unterschiede führten zur Anlage geschlossener Siedlungen. Durch die strafflinige Anordnung erinnern die hart an der Durchgangsstrasse aufgereihten Giebelbauten verschiedener Strassendörfer an kleinstädtische Strassenzüge.

Französischer Einmarsch
1799
besetzten französische Truppen das Fricktal und lebten ausschliesslich von den Erzeugnissen der einheimischen Landwirtschaft. Ein entsetzter Zeitgenosse schrieb damals: "Das Elend im Fricktal ist über alle Beschreibung, es ist ganz ausgefressen." 2)

Die bestehende Verwaltung arbeitete auch nach der Abtrennung vom habsburgischen Kaiserreich unbehelligt weiter. So hatte die Bevölkerung neben den Leistungen an die Franzosen auch die Steuern an die vorderösterreichische Verwaltung zu entrichten. Unter österreichischer Herrschaft



Nach oben